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09. Februar 2010
 

Frontal21

 
Nächste Sendung: 23.02.2010
Beratungsgespräch an einem Bankschalter. Quelle: imago
Beratungsgespräch in einer Bank

"Es ist alles noch viel schlimmer geworden"

Gewerkschafter kritisiert Verhalten der Banken in der Krise

Bankberater stehen nach Einschätzung der Gewerkschaft ver.di seit der Finanzkrise noch viel stärker unter Verkaufsdruck. Das führe in vielen Fällen dazu, dass nach wie vor nicht im Interesse der Kunden, sondern der Bank beraten werde, kritisiert Roman Eberle. Der Gewerkschafter aus Nordrhein-Westfalen hat eine Internetseite eingerichtet, über die Banker anonym über ihre Arbeit berichten können.

 
 
 
Roman Eberle. Quelle: ZDF
ZDF
Roman Eberle kritisiert: "Es hat sich nichts geändert."

Frontal21: Herr Eberle, hat sich der Verkaufsdruck bei den Banken seit Beginn der Finanzkrise erhöht?

Roman Eberle: Unsere Feststellung ist, dass sich der Verkaufsdruck in der Branche eindeutig erhöht hat. Wir sind ja ständig im Gespräch mit Betriebsräten, Personalräten und vielen Beschäftigten, und das ist das Thema Nummer eins. Die Leute sagen uns nicht nur, dass sich nichts geändert hat, sondern viele sagen, es ist sogar schlimmer geworden.

Frontal21: Wie zeigt sich denn der erhöhte Druck?

Eberle: Es gibt natürlich - das muss man sagen - eine verschärfte Wettbewerbssituation. Und das läuft so ab, dass die Vorgaben, die die einzelnen Angestellten haben, angestiegen sind. Und da hat sich vor allen Dingen die Kontrolle, ob die Leute ihre Vorgaben einhalten, massiv ausgeweitet. Mittlerweile wird an vielen Stellen mehrmals täglich kontrolliert, ob die Ziele erreicht werden. Die Leute werden unter Druck gesetzt und müssen sich rechtfertigen, wenn die entsprechenden Produkte nicht verkauft worden sind. Dann müssen Vorschläge bis zum Ende der Woche unterbreitet werden, bis wann und ob die Ziele eingehalten werden können. Es werden arbeitsrechtliche Drohungen ausgesprochen, Menschen werden vor den Teams oder innerhalb der Teams gedemütigt und angeschwärzt. Diejenigen, die ihre Ziele nicht erreichen, werden schlecht gemacht. Also da gibt es eine vielfältige Palette, Angst zu schüren und die Menschen anzutreiben.

Zitat

„ Es geht nicht um kundenorientierte Beratungen, sondern es geht darum, dass von der Bank vorgegebene Produkte abgesetzt werden müssen.“

Frontal21: Es gibt also auch bestimmte Produkte, die verkauft werden müssen?

Eberle: Also grundsätzlich gilt, dass nur nach Vorgabe verkauft werden muss, der Berater hat im Regelfall keine freie Auswahl, was er dem Kunden anbietet. Es geht nicht um kundenorientierte Beratungen, sondern es geht darum, dass von der Bank vorgegebene Produkte abgesetzt werden müssen.

Frontal21: Welche Möglichkeiten haben denn eigentlich Bankberater, ihre Kunden offen und ehrlich zu beraten?

 

Eberle: Das ist sehr schwierig. Wenn die Bank Produktvorgaben hat und die Produktvorgaben werden nicht erfüllt, dann muss sich der Bankberater oder die Bankberaterin sofort rechtfertigen, warum die Ziele nicht erreicht wurden. Oder man muss sich rechtfertigen, wenn das vermeintlich falsche Produkt verkauft worden ist, weil dieses Produkt nicht auf der Verkaufsliste steht. Da gibt es nicht viel Spielraum, denn dann werden sofort die Daumenschrauben angezogen.

 

Frontal21: Worüber klagen die Bankberater am häufigsten?

 

Eberle: Wir nehmen wahr, dass es ein ganz, ganz großes Bedürfnis bei den Bankberatern gibt, wirklich und ehrlich kundenbedarfsorientiert zu arbeiten, zu beraten. Der Druck, der dahinter steht, führt aber in vielen Fällen dazu, dass man nicht im Interesse der Kunden beraten kann, sondern dass es ausschließlich um das Ertragsinteresse der Bank geht. Also das ist eine der am häufigsten gehörten Klagen. Und dazu gehört natürlich auch das sich verschlechternde Arbeitsklima, eine schlechte Führungskultur. Viele Menschen beklagen sich oder befürchten, dass sie diesen Druck auf Dauer nicht aushalten und dabei krank werden.

Zitat

„Ich schäme mich, was ich den ganzen Tag mache.“

Anonymer Bankberater

Frontal21: Welche Reaktionen haben Sie denn auf die Internetseite "verkaufsdruckneindanke" bekommen?

Eberle: Das Erstaunliche ist, dass mehrere hundert Angestellte von der Möglichkeit Gebrauch gemacht haben, Kommentare über ihre Arbeitssituation abzugeben. Viele sagen: "Die Bank macht uns krank"; "Ich weiß nicht, wie lange ich das aushalten soll"; "Ich schäme mich, was ich den ganzen Tag mache"; "Die Kunden werden ausgenommen wie eine Weihnachtsgans" - das ist so der Tenor, der sich durch ganz viele Kommentare zieht.

 

Frontal21: Was hat sich seit Ausbruch der Finanzkrise überhaupt geändert?

 

Eberle: Man kann es ganz kurz machen: eigentlich hat sich nichts geändert. Wir erleben eine Situation, dass sich die Bankmanager in der Öffentlichkeit sehr demütig zeigen und selbstkritisch. Von Fehlern ist ja da oft die Rede gewesen. Im Innern der Institute hat sich gar nichts geändert, im Gegenteil. Es ist eigentlich noch alles viel schlimmer geworden.