Für klamme Kommunen galt "ÖPP" jahrelang als Allheilmittel: Öffentlich-Private Partnerschaften, auch Public Private Partnership (PPP) genannt, sollten überschuldeten Gemeinden Bauvorhaben mit privatem Geld ermöglichen, die sie sich eigentlich nicht leisten konnten. Städtische Bürokratien, hieß es lange, seien unfähig, zum Beispiel Spaßbäder erfolgreich betreiben zu können. Die vermeintliche Lösung: Ein privater Geldgeber baut, und die Kommune zahlt Miete für die Nutzung des neuen Gebäudes.
Jetzt macht sich vielerorts Ernüchterung breit. Zahlreiche von privaten Geldgebern gebaute Schulen und Schwimmbäder erwiesen sich als schlecht geplant und als zu teuer. Für Prof. Holger Mühlenkamp sind daher viele ÖPP-Projekte eine schlechtes Geschäft für den Steuerzahler. Für viele Kommunen sei es lediglich ein Finanzierungs-Trick zu Lasten künftiger Generationen: "ÖPP sind ein attraktives Instrument um die Schuldenbremse zu umgehen".
Der Stadt Dorsten versprach ein privater Investor Ende der neunziger Jahre die Sanierung der maroden Stadtbäder und die Errichtung eines Spaßbades. Doch nach nur drei Jahren Betrieb war der Investor pleite und das neue Spaßbad eine Ruine. Die Stadt übernahm das Projekt, sanierte es mit städtischem Geld und betreibt heute das Freizeitbad Atlantis mit wesentlich geringeren Zuschüssen als zu Zeiten des privaten Trägers.
Obendrein steht den Dorstener Vereinen ein Stadtteilbad mit günstigen Tarifen zur Verfügung. Reinhard Plettenberg von den Bäderbetrieben Dorsten zieht eine negative Bilanz der öffentlich-privaten Partnerschaft: "Die ÖPP-Modelle sind im Freizeitbadbereich mit Sicherheit entzaubert."
Bei ÖPP-Modellen, meint der Dorstener Bäder-Manager, seien Bürger und Kommunen doppelte Verlierer: "Wenn der private Betreiber Gewinne erzielen sollte, fehlt es an Transparenz. Wenn er es nicht hinbekommt wie in Dorsten, bleibt die Stadt auf enormen Kosten sitzen."
Frontal 21 über den neuen Trend "Rekommunalisierung": Städtisch statt privat und trotzdem erfolgreich.