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09. Februar 2010
 

Frontal21

 
Nächste Sendung: 23.02.2010

Geschäfte mit Stammzellen

[Video]

Der TV- Beitrag als Video

Getäuschte Patienten

Geschäfte mit Stammzellen

von . A. Baumann, C. Esser, S. Müller und A. Randerath

Mit der Hoffnung auf Heilung lässt sich viel Geld verdienen. Von ALS, Alzheimer, Diabetes, MS bis Parkinson, Rückenmarksverletzungen und Schlaganfall: Die Firma XCell-Center mit Sitz in Düsseldorf und Köln verspricht den Schwerstkranken Hilfe, bietet Stammzelltherapien an. Gesunde Stammzellen werden dem Knochenmark entnommen, isoliert und in den Körper zurückgespritzt. Die heilenden Zellen sollen dabei den Weg selbst zum geschädigten Organ finden. Doch Wissenschaftler warnen vor solchen privaten Anbietern.

 
 
 
Prof. Heinz Reichmann. Quelle: ZDF
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Heinz Reichmann: "Hohes Gesundheitsrisiko"

Der Vorsitzende der Gesellschaft für Neurologie, Professor Heinz Reichmann, sieht eine gravierende Gesetzeslücke. "So können Ärzte in privaten Kliniken, mit den sogenannten adulten Stammzellen am Menschen therapieren", so Reichmann. In den Niederlanden ist so etwas verboten. In Deutschland hingegen ist das Geschäft mit Stammzellen ganz legal.

Die Behandlung bei XCell kostet mehrere tausend Euro, es können auch mal 25.000 Euro werden. Auf ihrer Internetseite werben die Stammzellenheiler mit ehemaligen Parkinson- oder querschnittsgelähmten Patienten, die sich anscheinend wieder fast normal bewegen können.

Petra Aschenbeck. Quelle: ZDF
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Petra Aschenbeck: "Enttäuscht"

Hoffnung und Geld verloren

XCell-Patientin Petra Aschenbeck kommt dort nicht vor. Sie wurde wegen Parkinson arbeitsunfähig. Als Medikamente nicht mehr halfen, die Krankheit sich verschlimmerte, entdeckte sie im Internet die Firma XCell und schöpfte Hoffnung: "Dort wurde dann auch ein Mann beschrieben, der Parkinson hat, dass der praktisch geheilt war, dass er plötzlich wieder Auto und Motorrad fahren konnte. Und das gab mir natürlich Hoffnung, und dann hab ich gedacht: Ja, wenn der das kann, kannst du das auch."

 

Sie lieh sich von ihren Eltern über 6.000 Euro, ging zu XCell und hoffte - vergebens. Für ihren Zustand nach dem Eingriff hat sich XCell offenbar nicht interessiert. Niemand erkundigte sich bei ihr, ob eine Besserung eingetreten ist. Petra Aschenbeck ist zutiefst enttäuscht. Jetzt ist sie wieder in neurologischer Behandlung, ihre Schmerzen kann sie nur noch mit Krankengymnastik lindern.

Daniel meiske. Quelle: ZDF
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Daniel Meiske will klagen

Aus Texas nach Düsseldorf

Auch Daniel Meiske aus Austin/Texas ging es nach seinem teuren Aufenthalt bei XCell nicht besser. Er leidet an einer fortschreitenden Erkrankung der Sehnerven, versprach sich Heilung durch die Stammzelltherapie.

Als er später seinem Ärger Luft machen wollte wegen der falschen Hoffungen, die in ihm geweckt worden seien, erreichte er keinen Arzt oder Patientenberater, sondern einen Rechtsanwalt der Firma. Der versuchte, ihn zu beschwichtigen und bot Meiske als Entschädigung 500 Euro an. Daniel Meiske gegenüber Frontal21: "Ich fühle mich von Anfang an belogen".

 
Therapierechnung. Quelle: ZDF
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Daniel MeiskesTherapierechnung

Kein wissenschaftlicher Nachweis

Die deutschen Gesellschaften für Neurologie, für Multiple Sklerose und Parkinson warnen vor einer Stammzellbehandlung. Die gesundheitlichen Risiken seien zu hoch, der Nutzen nicht bewiesen - jedenfalls noch nicht. Professor Heinz Reichman, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, rät seinen Patienten von der Therapie ab, weil unter anderem Hirnblutungen und Hirnentzündungen beim Eingriff entstehen könnten und "weil ich keine wissenschaftlichen Belege irgendwo gesehen habe, dass diese Form der Therapie mit dem jetzigen Können und Wissen Früchte trägt."

 

Wer solche zweifelhaften und dabei gefährlichen Therapien anbiete, müsse von den Behörden überprüfbar sein, sagt Reichmann und fordert einen besseren Schutz durch entsprechende Gesetze. Frühestens ab 2010 kann die Europäische Arzneimittelagentur (EMEA) für die EU entscheiden, ob die Geschäfte der Stammzellenheiler rechtlich unzulässig sind.