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09. Februar 2010
 

Frontal21

 
Nächste Sendung: 23.02.2010
Marian Vesely. Quelle: ZDF
Marian Vesely

"Systematisch Schrottimmobilien finanziert"

Ehemaliger Banker beschreibt Methoden der Hypo-Bank

von Steffen Judzikowski und Christian Rohde

Die Vorgängerbanken der Hypo Real Estate, wie die Bayerische Hypotheken- und Wechselbank, haben nach Angaben eines ehemaligen Mitarbeiters systematisch Immobilien zu hoch bewertet. Durch die falschen Bewertungen sei der deutsche Pfandbriefmarkt heute teilweise nicht ausreichend besichert, sagt Marian Vesely im Interview mit Frontal21. Für die Verpflichtungen aus den Pfandbriefen soll nun der Steuerzahler haften.

 
 
 
 

Frontal21: Was genau hat ihre Bank gemacht?

 

Marian Vesely: Der Großteil des Finanzierungsgeschäftes, das über die Vermittler an uns herangetragen wurde, waren Schrottimmobilien. Und das hat die Bank gewusst. Der einzige, der es nicht gewusst hat, war der Anleger, der drauf vertraut hat, dass die Bank ihm eine gute Immobilie, ein Schnäppchen finanziert und der darauf gebaut hat, dass er sich eine Altersvorsorge schafft.

Zitat

„Ich habe keinen einzigen Kunden gehabt, der das Objekt nach fünf Jahren mit Gewinn oder plusminus Null verkaufen konnte.“

Frontal21: Inwieweit wurde der Anleger nach Ihrer Einschätzung betrogen?

Vesely: Er wurde betrogen, weil er darauf vertraut hatte, dass die Bank ihm einen Wert finanziert, dass die Immobilie das wert ist, und teilweise haben ihm die Vermittler auch gesagt, Du kannst das Objekt ja nach fünf Jahren mit Gewinn verkaufen. Ich habe keinen einzigen Kunden gehabt, der das Objekt nach fünf Jahren mit Gewinn oder plusminus Null verkaufen konnte. Es haben sich Dramen abgespielt, weil die Kunden auch schon nach fünf Jahren auf horrenden Schulden sitzen geblieben sind.

Frontal21: Wie hoch war die Überbewertung?

Vesely: Wir haben bis zu 180 Prozent des Immobilienwertes als Kredit herausgegeben, weil wir diese ganzen Luftblasen, die Nebenkosten und den überwerteten Kaufpreis finanzieren wollten. Wir wollten Europas größter Baufinanzierer werden.

 

Frontal21: Waren das nicht nur Einzelfälle?

Vesely: Nein. Das war ja System, was wir da betrieben haben, das war unser tägliches Brot. Wir haben es ja massenhaft betrieben.

 

Frontal21: Die Bank hat ja mit den Immobiliensicherheiten noch andere Geschäfte gemacht am Pfandbriefmarkt, wie hat das funktioniert?

 

Vesely: Die Bank muss bei der Finanzierung einen so genannten Verkehrswert, das ist der aktuelle Marktwert, feststellen. Die Bank muss einen Beleihungswert, das ist der langfristig erzielbare Wert einer Immobilie feststellen. Und 60 Prozent von diesem langfristig erzielbaren Beleihungswert ist der so genannte deckungsstockfähige Anteil. Und über diesen Anteil, über diese 60 Prozent, refinanziert sich die Bank am Pfandbriefmarkt.

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„Das war ja System, was wir da betrieben haben, das war unser tägliches Brot. “

Frontal21: Das klingt konservativ, da ist der Pfandbrief doch sicher?

Vesely: Normalerweise schon, aber wenn die Basis viel zu hoch angesetzt ist, wenn der Verkehrswert viel zu hoch ist, ist dadurch natürlich auch der Beleihungswert zu hoch und ist natürlich dadurch auch der Pfandbrief zu hoch. Es gibt zig Fälle, und die Fälle häufen sich und werden immer mehr, wo bei einem normalen Verkauf einer Immobilie nicht einmal die Hälfte des Pfandbriefwertes herauskommt. Ich spreche jetzt nicht von Zwangsversteigerungen, sondern von ganz normalen freihändigen Verkäufen.

 

Frontal21: Wie funktioniert das genau?

 

Vesely: Also ich hab hier beispielhaft eine Finanzierung, eine genehmigte und ausbezahlte Finanzierung. Da war der Kaufpreis der Immobilie 184.000 Mark. Finanziert hat die Bank inklusive aller Nebengeräusche und Luftblasen 280.000 Mark. In den Pfandbrief sind 95.000 Mark eingeflossen.

 

Frontal21: Und wie viel war die Immobilie am Ende wert?

 

Vesely: Die Immobilie wurde zehn Jahre später verkauft, der Verkaufserlös war 40.000 Mark. Das heißt, nicht mal Hälfte des Pfandbriefes ist erlöst worden. Und man darf ja nicht vergessen: Der Pfandbriefgläubiger, der der Bank das Geld gibt, und dafür einen Pfandbrief bekommt, der geht davon aus, dass der Pfandbrief sicher ist und dass er jederzeit seine 95.000 Mark wieder zurückbekommt. Und hier in diesem Fall und in vielen anderen Fällen war es nicht so. Da ist nicht einmal die Hälfte des Wertes rausgekommen. Und da steckt meines Erachtens die große Gefahr, die heute noch keiner auszusprechen wagt.

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„Wenn es nach mir ginge, müssten sämtliche Immobilien, sämtliche Finanzierungen neu in die Hand genommen werden.“

Frontal21: Wenn das massenhaft passiert ist, was heißt denn das heute für unseren Pfandbriefmarkt?

Vesely: Das heißt, der Pfandbriefmarkt ist meines Erachtens teilweise nicht besichert und wenn es nach mir ginge, müssten sämtliche Immobilien, sämtliche Finanzierungen neu in die Hand genommen werden. Es müsste neu bewertet werden, damit man die Risiken, die bei den Banken immer noch schlummern, irgendwie in den Griff bekommt. Denn das hat ja nicht nur die Hypo gemacht, die hat es exzessiv betrieben, aber viele andere Banken haben das auch gemacht. Deswegen trauen sich die Banken jetzt gegenseitig nicht, Geld zu geben, weil keiner weiß, was der andere in der Bilanz an versteckten Risiken hat.

 

Frontal21: Aber auf die Sicherheit des Pfandbriefes passt doch die Bankenaufsicht auf?

 

Vesely: Die Bankenaufsicht kann gar nicht darauf aufpassen, weil dazu bräuchte sie eine Heerschar von Bewertern, die immer und aktuell die ganzen finanzierten Immobilien neu bewerten. Und dazu hat sie die Leute nicht und das hat sie auch nicht getan.

 

Frontal21: Wie prüft die Bankenaufsicht dann?

 

Vesely: Die Bankenaufsicht kann sich nur auf die Zahlen und auf die Aussagen der Bank verlassen. Ich habe Bewertungen gemacht, diese Bewertungen waren im Nachhinein viel zu hoch. Das heißt, die Bankenaufsicht musste sich auf meine Zahlen verlassen, diese Zahlen waren auch beim Treuhänder hinterlegt.

 

Frontal21: Was Sie schildern, passierte in den 90er Jahren. Was hat das mit der HRE zu tun?

 

Vesely: Die Hypobank ist mit der Vereinsbank fusioniert zur Hypovereinsbank. Und die Hypovereinsbank hat so genannte gewerbliche Immobilien in die Hypo Real Estate ausgelagert. Wenn man sich aber die Zahlen genauer anschaut, dann versteht die HVB unter gewerblichen Immobilien sämtliche Immobilien, wovon ein Großteil Wohnimmobilien sind. Das heißt, die Immobilien, die wir finanziert haben, diese überhöhten Finanzierungen, die stecken jetzt in der Hypo Real Estate.