Weinliebhaber aus der ganzen Welt protestieren gegen den geplanten Neubau der Bundesstraße B 50n bei Ürzig an der Mittemosel. Dort soll bis 2016 eine 25 Kilometer lange Trasse gebaut werden und dabei auch eine der höchsten Brücken Deutschlands, 160 Meter hoch und 1,7 Kilometer lang. Kritiker sprechen von gewaltiger Geldverschwendung für das knapp 300 Millionen Euro teure Verkehrsprojekt. Umweltschützer und Einheimische befürchten gravierende Schäden für Landschaft und Tourismus.

Mosel-Winzer haben Angst um ihre zum Teil 2000 Jahre alten Weinberge. Durch die gewaltigen Bauarbeiten könnten Hänge ins Rutschen kommen. Große Bodenversiegelungen würden den Wasserhaushalt der wertvollen Weinberge empfindlich stören. Auf einer insgesamt 25 Kilometer langen neuen Trasse wird die Mosellandschaft durchschnitten, so der Plan.
Die 160 Meter hohe Brücke mit ihren gewaltigen Tragpfeilern ist der Kern des Projekts." Ein Wahnsinnsprojekt, das die ganze Kulturlandschaft der Mittelmosel zerstören wird", so der Winzer Thomas Loosen im Interview mit Frontal21. Hugh Johnson, der weltbekannte Weinkritiker, reiste extra zu einer Protestveranstaltung zum Brücken-Bauplatz. Seine Befürchtung: Das Mosel-Tal und der "großartige" Mosel-Riesling würden durch diese "lausige Straße abgewirtschaftet".

Für die Landesregierung ist es ein Vorzeigeprojekt. Es sei eine Straße von hohem volkswirtschaftlichem Nutzen, die im Straßennetz Westdeutschlands noch fehle, so Hendrik Hering (SPD), Wirtschafts-, Verkehrs und Weinminister in Rheinland-Pfalz. Die neue Fernstraße sei notwendig für eine bessere Verbindung zwischen den belgischen Nordseehäfen und dem Rhein-Main-Gebiet. Kritiker dagegen sprechen von einem Zeitvorteil von höchstens 20 Minuten.

Zudem sei es ein Projekt von Vorgestern. Tatsächlich stammen die Pläne aus den 60-er Jahren. Militärflugplätze in Eifel, Hunsrück und im Rhein-Main-Gebiet sollten damals auf kürzestem Weg mit Nordseehäfen verbunden werden. In der Zeit des kalten Krieges fehlte das Geld. Die damalige Bundesregierung lehnte das Projekt aus Kostengründen ab. Verkehrsexperten bezweifeln auch heute Sinn und Zweck des Straßenneubaues. Wirtschaftsgeograph Professor Rudolf Juchelka hält es für ein Paradebeispiel für Verschwendung, gerade weil es in der Region hervorragende Alternativen gebe.

Mehrere betroffene Mosel-Gemeinden und der Landkreis klagten jahrelang vergeblich gegen den Bau bis zum Bundesverwaltungsgericht. Die Landesregierung in Mainz setzte sich durch. Jetzt soll Geld für die Fernstraße fließen. Das Konjunkturpaket der Bundesregierung macht´s möglich. Professor Heiner Monheim, Verkehrsgeograph von der Unversität Trier im Interview mit Frontal21: "Wir müssen im Infrastrukturbereich sparen, weil wir im Vergleich aller europäischen Länder das Land mit dem dichtesten, mit dem am besten ausgebauten Straßennetz sind. Aber wir sind unersättlich, wir machen immer weiter."

Die Bauarbeiten haben bereits begonnen. Inmitten unberührter Natur werden die ersten 30 Meter tiefen Betonfundamente gegossen.