Sendung verpasst? Hier können Sie die Frontal21-Dokumentation "Beutezug Ost - Die Treuhand und die Abwicklung der DDR" noch einmal anschauen!
Frontal21-nachgehakt: Michael Rottmann, der im Dezember 2009 wegen Untreue zu einer Haftstrafe von drei Jahren und neun Monaten verurteilt wurde, ist wieder auf freiem Fuß. Der Bundesgerichtshof hat jetzt das Urteil des Berliner Landgerichts wegen Verjährung aufgehoben. Damit bleibt die Veruntreuung von 50 Millionen Euro Vermögen des früheren DDR-Betriebs "Wärmeanlagenbau Berlin" (WBB) ungestraft. Nachdem die Treuhandanstalt WBB Anfang der 90er Jahre an Rottmann verkauft hatte, verschwand das Firmenvermögen auf Konten in der Schweiz. Durch die Insolvenz von WBB gingen rund 1200 Arbeitsplätze verloren. [Video starten]
Es war eine der größten Unternehmungen der deutschen Wirtschaftsgeschichte: Innerhalb von nur viereinhalb Jahren privatisierte die Treuhand-Anstalt die gesamte DDR-Planwirtschaft. Mehr als 8000 Betriebe wurden verkauft oder abgewickelt. Klicken Sie sich durch die wichtigsten Ereignisse der Jahre 1990 bis 1994! Beispiele wie der Zerschlagung des sächsischen Kühlschrankherstellers DKK oder die Privatisierung des DDR-Bankensystems zeigen die Schwachstellen bei der Abwicklung der DDR. [Interaktiv]
Auch 20 Jahren nach der Wiedervereinigung sieht der ehemalige Bundesfinanzminister Theo Waigel, CSU, die Abwicklung der DDR-Wirtschaft durch die Treuhandanstalt als "unglaublichen Erfolg". Es habe keine Alternative zur Strategie des Privatisierens oder Abwickelns gegeben, "weil die Betriebe in der DDR in der Form nicht wettbewerbsfähig waren". Waigel gibt angesichts der Milliardenschulden der Treuhand zu, dass kriminelle Netzwerke Kapiatl beiseite schaffen konnten, er betont aber: "Was immer wir tun konnten, haben wir getan, um Missstände aufzuklären und den Dingen nachzugehen." [Video starten]
Werner Schulz, Bündnis 90/Die Grünen, bewertet die Geschichte der Treuhand als "das größte Betrugskapitel, das es in der Wirtschaftsgeschichte Deutschlands gibt". Das ehemalige Mitglied des Treuhand-Untersuchungsausschusses des Deutschen Bundestages kritisiert insbesondere die Geschäfte der Banken: Die westdeutschen Banken hätten "den größten Reibach gemacht": "Aus Luftbuchungen wurden Goldbarren." [Video starten]
Die Treuhand-Anstalt privatisiert ab 1990 die DDR-Wirtschaft - entgegen der ursprünglichen Idee der DDR-Bürgerrechtler. Am Beispiel des Kühlschrankherstellers DKK wird klar, wie aussichtslos die Lage für die Ost-Betriebe war. Bilder von der Abwicklung einer Volkswirtschaft und von Zeitzeugen. [Bilderserie]
Rückblick: Im Sommer 1990 bekommen 16 Millionen DDR-Bürger neues Geld: Der Freude über die harte D-Mark folgt schnell Ernüchterung. Denn die Volkseigenen Betriebe müssen nun ihre Belegschaft in D-Mark bezahlen und sich über Nacht dem Weltmarkt stellen. Privatisieren oder dichtmachen - das ist die Aufgabe der Treuhandanstalt, der größten Staatsholding der Welt. Der Ausverkauf der DDR-Wirtschaft beginnt. 8000 Betriebe sollen marktfähig gemacht werden oder untergehen.