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"Jugendliche fühlen sich ausgebeutet"
von Christian Esser und Birte Meier
Der DGB-Report zeichnet ein erschreckendes Bild: Danach müssen gut 38 Prozent aller Auszubildenden regelmäßig Überstunden leisten. 21 Prozent der Berufsanfänger arbeiten durchschnittlich mehr als 40 Stunden pro Woche, bei den unter 18-Jährigen sind es noch 15,5 Prozent - trotz eindeutiger Regelung im Jugendarbeitsschutzgesetz. Speziell im Hotel- und Gaststättengewerbe ist es keine Seltenheit, dass Azubis immer wieder mehr als 20 Überstunden in der Woche arbeiten müssten, so der DGB-Report. "So haben sich das viele Jugendliche nicht vorgestellt", sagt der Arbeitssoziologe Professor Gerhard Bosch von der Universität Duisburg-Essen im Interview mit Frontal21. "Sie fühlen sich ausgebeutet." Die Folge: Abbruchquoten von Ausbildungsverhältnissen im Gastgewerbe von bis zu 50 Prozent. Immer mehr Jugendliche, so Bosch, würden die Unternehmen nach kurzer Zeit der Ausbildung "fluchtartig" verlassen.Billige Arbeitskäfte
Auch die Qualität der Ausbildung wird im DGB-Report kritisiert. 10,8 Prozent der Azubis müssen "häufig" oder "immer" und 18,7 Prozent "manchmal" ausbildungsfremde Tätigkeiten verrichten, die gar nicht zu ihrer Ausbildung gehören. "Es ist offenbar so, dass diese Leute als billige Arbeitskräfte betrachtet werden. Man kann mit ihnen erhebliche Kosten einsparen. Deshalb stellt man sie ein, obwohl man kein Interesse daran hat, sie auszubilden", so Ingrid Sehrbrock, stellvertretende DGB-Vorsitzende gegenüber Frontal21.Branchenübergreifend klagen Azubis über fehlende Betreuung der Ausbilder. 8,2 Prozent der Auszubildenden haben sogar überhaupt keinen Ausbilder. Ingrid Sehrbrock fordert gegenüber Frontal21 die Industrie- und Handelskammern zum Handeln auf: Unangemeldete Kontrollen seien nötig, um die Probleme in den Ausbildungsbetrieben zu beseitigen. „Die Kammern könnten in ganz gravierenden Fällen die Ausbildungsberechtigung entziehen, und das wird meiner Meinung nach viel zu selten gemacht“, so Sehrbrock. Für die Studie befragte der DGB 12.000 Auszubildende in 25 Ausbildungsjahrgängen. Der Ausbildungsreport wird am 11. September 2012 in Berlin vorgestellt.

