zurück Startseite

Mangelnde Ausbildungsqualität

DGB-Report: viele Überstunden, fehlende Betreuung

Viele Überstunden, fehlende Betreuung und ein rauer Umgangston - so sieht der Alltag vieler Auszubildenden in Deutschland aus. Das geht aus dem aktuellen Ausbildungsreport des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) hervor, der dem ZDF-Magazin Frontal21 in Auszügen vorliegt. 

Der Beitrag als Video

(04.09.2012)

"Jugendliche fühlen sich ausgebeutet"

Zu viele Jugendliche sind unzufrieden mit ihrer Ausbildung und brechen diese vorzeitig ab, warnt der Arbeitssoziologe Professor Gerhard Bosch von der Universität Duisburg-Essen.

(04.09.2012)

von Christian Esser und Birte Meier

Der DGB-Report zeichnet ein erschreckendes Bild: Danach müssen gut 38 Prozent aller Auszubildenden regelmäßig Überstunden leisten. 21 Prozent der Berufsanfänger arbeiten durchschnittlich mehr als 40 Stunden pro Woche, bei den unter 18-Jährigen sind es noch 15,5 Prozent - trotz eindeutiger Regelung im Jugendarbeitsschutzgesetz. Speziell im Hotel- und Gaststättengewerbe ist es keine Seltenheit, dass Azubis immer wieder mehr als 20 Überstunden in der Woche arbeiten müssten, so der DGB-Report.

 

"So haben sich das viele Jugendliche nicht vorgestellt", sagt der Arbeitssoziologe Professor Gerhard Bosch von der Universität Duisburg-Essen im Interview mit Frontal21. "Sie fühlen sich ausgebeutet." Die Folge: Abbruchquoten von Ausbildungsverhältnissen im Gastgewerbe von bis zu 50 Prozent. Immer mehr Jugendliche, so Bosch, würden die Unternehmen nach kurzer Zeit der Ausbildung "fluchtartig" verlassen.

Billige Arbeitskäfte

Auch die Qualität der Ausbildung wird im DGB-Report kritisiert. 10,8 Prozent der Azubis müssen "häufig" oder "immer" und 18,7 Prozent "manchmal" ausbildungsfremde Tätigkeiten verrichten, die gar nicht zu ihrer Ausbildung gehören. "Es ist offenbar so, dass diese Leute als billige Arbeitskräfte betrachtet werden. Man kann mit ihnen erhebliche Kosten einsparen. Deshalb stellt man sie ein, obwohl man kein Interesse daran hat, sie auszubilden", so Ingrid Sehrbrock, stellvertretende DGB-Vorsitzende gegenüber Frontal21.

Branchenübergreifend klagen Azubis über fehlende Betreuung der Ausbilder. 8,2 Prozent der Auszubildenden haben sogar überhaupt keinen Ausbilder. Ingrid Sehrbrock fordert gegenüber Frontal21 die Industrie- und Handelskammern zum Handeln auf: Unangemeldete Kontrollen seien nötig, um die Probleme in den Ausbildungsbetrieben zu beseitigen. „Die Kammern könnten in ganz gravierenden Fällen die Ausbildungsberechtigung entziehen, und das wird meiner Meinung nach viel zu selten gemacht“, so Sehrbrock. Für die Studie befragte der DGB 12.000 Auszubildende in 25 Ausbildungsjahrgängen. Der Ausbildungsreport wird am 11. September 2012 in Berlin vorgestellt.

03.09.2012

Sendetermine


28. Mai 2013 21:00


Merkliste

Papierkorb Bild
Merkliste versenden Merkliste schließen

Merkliste

Merkliste versenden

Versenden Sie Ihr Merkliste an Freunde.



 
* Pflichtfelder  
Datenschutz
Das ZDF versichert, Ihre Daten entsprechend den datenschutzrechtlichen Bestimmungen vertraulich zu behandeln.
Zurück zur Merkliste Absenden Button

Merkliste

Hinweis

Die Merkliste wurde erfolgreich versendet.

Zurück zur Merkliste Merkliste schließen