von Christian Esser und Herbert Klar
In einem Exklusiv-Interview spricht erstmals der Bochumer Kriminalhauptkommissar Friedhelm Althans über den Wettskandal um den Wettpaten Ante Sapina, den er mit seinen Ermittlungen vor einigen Jahren ins Rollen brachte und der bis heute Europas Fußball erschüttert. Mehr als 300 Fußballspiele stehen unter Verdacht manipuliert worden zu sein. Ein Verfahren, dessen Dimension für Althans und seine Kollegen der „Ermittlungsgruppe Flankengott“ zu Beginn nicht absehbar gewesen sei.Kriminelles Netzwerk
„Wenn Sie sich vorstellen, dass allein unsere Hauptakte inzwischen mehr als 16.000 Seiten hat und wir insgesamt über 300 Fallakten bearbeiten und ein Aktenvolumen inzwischen von über 600.000 Seiten haben, können Sie sich vorstellen, wie viel Arbeit und Energie die Staatsanwaltschaft und wir als Polizei in dieses Verfahren gesteckt haben“, so Althans gegenüber Frontal21.Althans berichtet von einem kriminellen Netzwerk mit streng hierarchischen, mafia-ähnlichen Strukturen, das weltweit agiere. Über Wettanbieter in Österreich, den Niederlanden und England seien via Internet, aber auch über Handy oder Skype, Wetten auf dem asiatischen Markt abgeschlossen worden. „Denn nur auf dem asiatischen Markt ist es möglich, derartig hohe kriminelle Gewinne zu erzielen“, erklärt der Ermittler.Hohe Gewinne mit geringem Aufwand
So schätzt Althans, dass jährlich zwischen 300 und 600 Milliarden Euro auf dem Sportwettenmarkt umgesetzt werden. „Dass die Organisierte Kriminalität sich von diesem großen Kuchen auch ein entsprechendes Stück abschneiden möchte, liegt auf der Hand.“ In kaum einer anderen Kriminalitätsform seien derart große Gewinne innerhalb kürzester Zeit und mit sehr geringem Aufwand zu erzielen.Das habe die Organisierte Kriminalität erkannt und in den letzten fünf Jahren neben Drogen- und Waffenhandel nun auch den Sportsektor für sich erschlossen. „Und wenn wir diese Volumina sehen, ist eigentlich auch klar, dass wir dieses Phänomen nicht werden ausrotten können“, befürchtet Althans.

